2009-06-17 PM AsF zu Krebstherapie

Bei Krebs geht es nicht mehr nur um Leben oder Tod
Lebenszeitverlängerung und Qualitätsverbesserung

„60 Prozent aller an Krebs Erkrankten können geheilt werden - und immer mehr leben mit bzw. trotz dieser Krankheit länger!“, stimmte Birgit Wohland-Braun, Ärztin und Leiterin der Geschäftsstelle beim Krebsverband Baden-Württemberg e.V., schon zu Beginn positiv. Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen im Kreis Böblingen/AsF informierte die langjährig im Bereich der Beratung und Unterstützung von Krebspatienten aktive Ärztin über Krebs, der Krankheit mit vielen Gesichtern.
Tod durch eine der rund hundert verschiedenen bösartigen Körperzellen-Veränderungen ist nach Herz-Kreislauf bedingten Todesfällen die zweithäufigste Todesursache. Jedes Jahr geschätzte 45.000 Frauen und Männer erkranken in Baden-Württemberg neu an Krebs – und dies mit steigender Tendenz. Bei der Diagnose sind Männer rund 66 Jahre und Frauen 67 Jahre alt. Krebs also eine „Alterskrankheit“?
Tatsächlich wächst mit den Jahren das Risiko zu erkranken: Die Fähigkeit des Körpers schwindet, krebsauslösenden Faktoren zuverlässig zu begegnen, diese zu überwinden. Daneben, und das erstaunte die interessierten Zuhörerinnen, nach Schätzungen entstünden etwa ein Drittel weniger Krebserkrankungen bei gesünderem Lebensstil. Dies ergeben etwa europäische Vergleiche von Essgewohnheiten, Auftreten und Überlebenschancen etc.
Zudem könnten erheblich mehr TumorpatientInnen geheilt werden, wenn sie denn die nach § 25 Abs. 2 SGB V ihnen zustehenden kostenlosen Krebsfrüherkrankungen nutzen würden. Trotz Wandel hin zu zielgerichteten Therapien, geringeren Dosen, Impfungen bei speziellen Krebsarten oder Stammzellentherapie, liegt die wirksamste Chance in Prävention und Früherkennung. Gelungen sind für Todkranke bereits konkrete Lebenszeitverlängerung und Qualitätsverbesserung.
Bestürzt erfuhr die politische Frauenrunde von einem weiteren wenig bekannten Problem für KrebspatientInnen, dem finanzieller Art: Wenn sie etwa durch Zuzahlung von Medikamente, Vorfinanzierung von Hilfsmitteln, Betreuung o.ä. in finanzielle Notlagen gerutscht sind, alle Möglichkeiten der öffentlichen Hand ausgeschöpft sind und dann bei dem von Spenden gefüllten Härtefonds des Krebsverbandes Unterstützungs-Anträge stellen (müssen). Birgit Wohlland-Braun berichtete von einer Antrags-Steigerung von 2000 auf 2008 um 30 %, bei Frauen gar um knapp 50 %.
Gemeinsam mit der Vorsitzenden von pro familia Landesverband Baden-Württemberg Birgit Kipfer MdL und Birgit Wohland-Braun waren sich die SPD-Frauen einig, dass den hohen Zahlen von Sterbefällen bei Tumorerkrankungen angemessen Lebenszeitverlängerung und Qualitätsverbesserung für Betroffene ein absoluter Fortschritt und wichtig sind. Und daneben Krebs-Vorsorge, Früherkennungsprogramme und Info-Initiativen wie die aktuelle, internationale „5 am Tag“-Kampagne oder „10 Regeln gegen den Krebs“ mehr Beachtung finden sollten.

 

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