2008-12-09 SPD-Frauen: Einsetzen für Menschenrechte !

SPD-Frauen: Einsetzen für Menschenrechte !
Schockierende Bilanz weltweiter Menschenrechtsverletzungen gegen Frauen

8.12.2008: Die Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medica mondiale e.V. erhält den Alternativen Nobelpreis überreicht für ihren Einsatz für Frauen, die in Krisenregionen schrecklichste sexualisierte Gewalt erfahren haben. Zwei Tage zuvor, am 6.12., protestierten Tausende in Stuttgart gegen geplante Verschärfungen der Landesregierung zu Lasten der Versammlungsfreiheit. Die weltweit geltenden Menschenrechte stehen im Mittelpunkt einer sehr nachdenklich stimmenden, tagesaktuellen Veranstaltung. Vor 60 Jahren, am 10. Dezember 1948, haben die Vereinten Nationen die Menschenrechte in der UN-Menschenrechts-Charta proklamiert. Zu einem Abend rund um die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte hat kreisweite AG der SPD-Frauen eingeladen.
„Es ist wichtig und auch nach 60 Jahren hochaktuell, sich die im ersten weltweit geltenden Menschenrechtskatalog definierten Menschenrechte wieder ins Bewusstsein zu rufen“, betont Ulrike Lucas, Vorsitzende der SPD-Frauen im Kreis/AsF und Stadträtin in Weil der Stadt, „Wissen um dieses Wertesystem lässt die heutige Preisverleihung oder auch die Gedankenspiele zur Versammlungsbeschränkung in ihrer Bedeutung einordnen. Zwar sind die in den 30 Artikeln formulierten Menschenrechte Grundlage völkerrechtlicher Verträge sowie vieler Staatsverfassungen, auch unseres Grundgesetzes geworden. Doch erst Kenntnisse und Wertschätzen der jedem Menschen zustehenden Rechte schaffen die Bereitschaft, Partei für diese zu ergreifen. Bereitschaft, sich für Einlösen bzw. Umsetzen der auf Papier festgehaltenen Versprechen von 1948 einzusetzen.“
„Entsetzlich“,„Unvorstellbar“, lauten die Kommentare bei einer Gegenüberstellung der UN-Menschenrechts-Artikel mit Zahlen und Fakten des Amnesty Reports 2008 über weltweites Missachten der Menschenrechte. Beispiel: Art.5 verspricht „Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“ Für 2007 dokumentierte Amnesty International, die größte Menschenrechts-Organisation, Fälle von Folter oder anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung in mehr als 81 Ländern (ai. Stand 5.2008).
Besonders Menschenrechtsverletzungen gegen Frauen bewegen die frauenpolitische Runde. Gemeinsam haben Ulrike Lucas und ihre AsF-Vorstandskolleginnen Sieglinde Fuchs aus Gärtringen sowie Monika Schäfer aus Waldenbuch Zahlen und Hintergründe verschiedener (Menschenrechts-) Organisationen zusammengetragen. Die schockierenden Fakten ergeben ein Bild, das erstmal jegliche Jubiläums-Feier-Laune erstickt, zornig macht und Entsetzen verursacht. Die Angaben von UNFPA, UNICEF und dem High Commissioner for Human Rights sprechen eine deutliche Sprache:
< Jedes Jahr erleiden 2 bis 3 Millionen Mädchen Genitalverstümmelungen - ein barbarischer Akt, welcher in 28 Staaten Afrikas und einigen asiatischen Staaten praktiziert wird. Und auch in Deutschland (hier ein Straftatbestand) gelten 6.000 Mädchen als gefährdet.
< Jedes Jahr werden weltweit rund 2 Millionen Mädchen und Frauen verkauft. Menschenhandel ist nach Auskunft der US State Department weltweit der zweitgrößte Kriminalitätssektor (Homepage von Samaly Mam).
< Jedes Jahr werden rund 80 Millionen Mädchen unter 18 J. zwangsverheiratet.
< Jedes Jahr fallen rund 5.000 Frauen Fememorden durch Familienangehörige (sog. „Ehrenmorden“) zum Opfer.
< Zwei Drittel der über 800 Millionen Analphabeten sind Frauen.
< Unzählige Frauen sind Opfer von abscheulichster sexualisierter Gewalt in Konfliktregionen. Schockierende Schlagzeilen, etwa auch beim Deutschen Menschenrechts-Filmpreis 2008, macht derzeit der Schauplatz Kongo. Opfer-Zahlen (bei dramatisch hoher Dunkelziffer), Zahlen der anschl. ermordeten Opfer oder der Selbstmorde traumatisierter Mädchen und Frauen liegen nur bedingt vor.
„Respekt vor der Arbeit von Menschenrechts-Organisationen wie medica mondiale oder terre des femmes!“ erklärt Sieglinde Fuchs, „Deren langjährigem Engagement und langem Atem verdanken wir, dass die Debatte um Menschenrechte, besonders Frauenrechte als Menschenrechte, Fahrt gewonnen hat. Dass sie betroffene Frauen unterstützen und eingreifen, wo andere nicht handeln.“„Angesichts der neuen Probleme der Menschheit wie Anstieg der Weltbevölkerung, Ernährungskrise, Klimawandel, Globalisierung oder auch Terrorismus müssen wir werben für unsere gemeinsamen Werte- und Verständigungsgrundlage“, appelliert Ulrike Lucas, „Die Lebenssituation hat sich sicherlich für viele Menschen seit der Deklaration der UN-Menschenrechts-Charta verbessert. Doch liegt es auch an uns allen, durchaus gemeinsam mit Menschenrechts-Organisationen, uns weiter einzusetzen für die Achtung und den Schutz der Menschenrechte.“

 

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